1. Einleitung
Innerhalb des Medium Fernsehen existieren verschieden Formate die sich um ihr Publikum abmühen, dabei scheuen sie auch nicht davor zurück Schicksale, Peinlichkeiten oder tragische Fälle im Reality-TV Stil auszuschlachten, der kulturelle Mehrwert jener Fernsehformate kümmert dabei die Produzenten sichtlich wenig ( Berlin Tag und Nacht; Germanys Next Topmodel; die Supernanny; Kochduell)
„Quality TV“ ist der neue Schlachtruf im Fernsehgeschäft.
Das Etikett Quality TV markiert daher gleichermaßen eine vermeintlich „neue Ära“ der kulturellen Bedeutung der Fernsehserie als Erzählformat wie auch eine neue Entwicklungsstufe der medialen Vermittlung von Fernsehserien. Wenn in der neueren Fernsehserie das Entstehen einer Autorenserie diskutiert wird, wird klar, dass das Etikett Quality TV die Fernsehserie mit einem künstelrischen Modus verknüpft. Der Reiz eine Geschichte über 60 statt 2 Stunden zu erzählen lockt diverse kreativ Köpfe aus Hollywood in die Stuudios von AMC HBO Netflix oder Amazon Prime. Die nicht nur die finanziellen Mittel sondern auch ein Stammpublikum haben und sichergestellt werden kann das die größtmögliche Masse an Menschen die Serie gegen Bezahlung ansehen können. Auch das Experiment Filme in Serien zu adaptieren nimmt immer mehr Fortschritte an (Fargo 2016; Lethal Weapon; Scream 2016) .
haben Serien bewiesen das sie Längst in ihrem Inhalt eine weitaus größere Tiefe besitzen als von anderen Serien bekannt ( Knight Rider; Baywatch; etc) Es möchte nicht nur Unterhalten sondern auch auf anderen Ebenen mitteilen ( BoJack Horseman (2015); Breaking Bad (2008) ).
Durch das Angebot des Video on Demand und der Abrufbarkeit im Internet, avancieren Serien zum reinen Konsumobjekt, damit gemeint ist die Ausblendung der Werbung.
Mittlerweile legt sich das Buch am Abend weg und zwei Stunden für eine Serie, oder auch ein Wochenende, dafür werden oftmalig eingeplant.
Durch die Zunahme an narrativ komplexen Serien, die Video- on- Demand Binge Watcher Generation, und dem lukrativen Geschäft mit den Serien, verdrängen den Roman und beschwören eine neue Form.
These:
Sind narrativ komplexe Serien die Romane der Neuzeit?
2.) Narrative Komplexität
Narrative Komplexität ist ein Begriff der helfen soll das neue Fernsehen. Zurückzuführen ist dieser Begriff auf Jason Mittell der sich im Artikel „Narrative Komplexität im amerikanischem Fernsehen“ fern der klassichen Serien befasst.
Bei narrativ Komplexen Serien ist die Anzahl der Handlungsstränge und Figuren auf mehreren Ebenen unbegrenzt. So führt in der Serie Breaking Bad (2008) Walter White ein Doppelleben als Chemieprofessor und Meth Koch. Zeitgleich kämpft er gegen seinen attestierten Lungenkrebs und muss seine Ehe mit Skyer White vor dem scheitern bewahren. Neben Walter White existieren andere Figuren, es erscheinen neue Figuren mit jeder Staffel aber auch verschwinden wieder welche. Doch die Handlungen zwischen den Figuren sind auf verschiedenen Ebenen in Breaking Bad miteinander verbunden nacht Mittell als „vernetzte Plotbildung“ bezeichnet. Wie oben beschrieben ergeben sich durch die Fülle an verschiedenen Handlungssträngen zwischen den Figuren ein dichtes Angebot an verschiedenen Genres die sich somit miteinander kombinieren, und gleichzeitig auch eine größere Masse an Zusehern anspricht.
In der narrativ komplexen Serie muss eine Episode nicht unbedingt weiterführend sein. Bedeuteut der Handlungsstrang kann in einer Episode am Anfang in der Mitte oder Ende der Serie abgeschlossen werden. Es ist lediglich wichtig das der Haupthandlungsstrang weiterhin existiert. Für diesen Zweck etablieren Produktionshäuser Pilot- Folgen um das Publikum auf eine Prämisse festzulegen.
Am Anfang oder dem Ende einer Episode können Cliffhanger existieren die im weiteren Verlauf in der Serie aufgelöst werden. Manche Serien gehen dabei bewusst mit ihrem Publikum auf gemeinsame Rätselsuche (Mr. Robot; True Detective; The Wire; Breaking Bad) und veranlassen auch so, das neben dem regionalen Bezug zur Serie, eine Fangemeinde entstehen kann die es sich zur Aufgabe nimmt den Handlungsstrang ohne die Produzenten auf eigene kreative Weise fortzuführen. Doch dieser Anspruch an das Publikum gelingt nicht immer und somit passiert es auch das Serien daran scheitern. Und durch zu viel Komplexität ihr Publikum verwirren. So erging es auch der Fernsehserie „The Wire“ die durch ihre zu komplexen Handlungsstränge und Figuren ein eigenes Universum kreierte. Erst später durch Kritiker erfuhr die Serie eine erneute Beliebtheit und konnte sich über den DVD- Markt ins finanziell positive retten.
Eine Episode kann entweder Erzählstränge beginnen oder abschließen. Ein Handlungsstrang muss nicht zwangsläufig mit dem Ende der Episode enden; er kann auch in der Mitte einer Episode gelöst werden, da es diverse Handlungen gibt, die sich überlagern. In der Abbildung steht der dunkelblaue Pfeil für die Haupthandlung der gesamten Serie. Dieser Strang wird in der Pilotfolge etabliert und zieht sich mehr oder weniger intensiv durch die gesamte Handlung. Die Ensemblestruktur bietet aber auch viel Raum für Nebenhandlungen, die sich über eine unbestimmte Anzahl von Episoden erstrecken. Die Stränge gelb, rot und orange sind Nebenhandlungen, die sich auf die Haupthandlung auswirken, und sich zum Ende der Staffel verdichten.
3.) Hintergrund und Popularität von Narrativ komplexe Serien
Der US- amerikanische Premium-Pay-TV-Sender HBO hat es sich zur Strategie gemacht, Tabus zu brechen. Themen die in der Kultur ein Unbehagen auslösen und versuchen jene sensible Themen zu brechen bekommen vom Publikum eine erhöhte Aufmerksamkeit und bei Erfolg eine große Fan- Community. Serien die sich diesen Feldern widmen erhalten Kultstatus.
HBO’s erster großer Autorenserienerfolg, The Sopranos, bescherte dem Sender einen Zuwachs von fünf Millionen Abonnenten – am Anfang waren es 22 Millionen, am Ende 27 Ein anderes Beispiel ist der Sender Showtime, der ab 2007 keine Filmdeals mehr abschloss und stattdessen begann, in eigene Serien zu investieren (zuletzt Homeland) Zwischen 2009 und 2013 ist die Zahl der Abonnenten von 17 auf 22 Millionen gestiegen.
AMC´s Breaking Bad verfolgten kleine Gruppen an Zuschauer und Fangemeinden . Mit den beiden Teilen der letzten fünften Staffel geändert explodierten die Zuschauerquoten für Breaking Bad, bedeutet, die Zahl der Erstzuschauer in den USA verdoppelte sich gegenüber den vorherigen Staffeln, somit war die Serie auch quotenmäßig ein Erfolg.
Mit dieser Strategie schafften es die Bezahl Sender sich von anderen Marktteilnehmern abzuheben und sich durch ein Alleinstellungs-Merkmal weiter zu differenzieren. HBO ist es gelungen, ein Image als freizügiger Sender, der die Konventionen im Umgang mit Tabuthemen bricht, aufzubauen. Mit Serien wie SEX AND THE CITY, THE WIRE oder THE SOPRANOS wurde Ende der 1990er-Jahre ein Umgang mit Sexualität und Gewalt geprägt, der es den Serienschöpfern ermöglichte, Tabuthemen mit einem hohen Maß an Authentizität zu behandeln.
Andere Teilnehmer wie Netflix Hulu Amazon und mittlerweile auch Sky erkannten diesen Trend rechtzeitig und produzieren heute eigene epische Geschichten. Aufgrund der langen Dauer der Handlung kann in besonderer Weise auch auf Details eingegangen werden. Das Format Serie eignet sich besser als der Film, um vielschichtige Welten und langwierige Prozesse zu erzählen. Eine Staffel kann zwischen 6- 21 Episoden mit einer Episodenlänge zwischen 30-50 Minuten enthalten. Anders als im Film zieht sich der übergeordnete Handlungsstrang über viele Stunden hin. So kann eine Serie wie HOUSE OF CARDS ein facettenreiches Bild von einem betrogenen der Politik zeichnen, ohne dabei aus Zeitmangel in Klischees zu verfallen. Aufgrund dieser Eigenschaft lässt sich das Quality TV auch mit dem Roman zu vergleichen. Bei Serien mit komplexen Fortsetzungssträngen sind die Episoden mit einem Kapitel in einem Roman zu verglei- chen. Es gibt stilistische Mittel, die einen Anfang und ein Ende darstellen, aber erst zusammen eine Erzählung ergeben.
4. Quality-TV als Roman der Neuzeit
Die Diskussion in wie weit Quality- TV als Roman der Neuzeit gelten kann wird üblicherweise von Jason Mittells Diskussion eines complex televisions bzw. von complexity in television angeführt. Im Geiste der Quality TV- Debatte wendet sich Mittell gegen eine Aufwertung der Fernsehserie auf der Basis der Annahme, dass die neuen Serien“mehr wie Romane“ ( Stichwort DVD- Novel) oder fast wie Filme seien, daher sich anderen Formen annähern, die sich traditionell einer größeren Wertschätzung erfreuten. Aufbauend auf der Prämisse, dass die alte Differenz zwischen Episoden- und Fortsetzungsserie nicht mehr greift bzw. Mischformen entstehen wird von Mittell eine Fernsehserien- Theorie eingefordert.
Auch in den Kinos ist eine gewisse Fortsetzungsserialität zu beobachten, Hollywoodstudios wagen sich keine Experimente mehr einzugehen und setzen auf den Fortsetzungscharakter in den Kinos. Die Krise der US-Filmindustrie und die verstärkte Hinwendung ehemaliger Größen der Industrie zu Fernsehserien Kurz nachdem die Erfinder des Blockbuster Popcorn-Kinos – George Lucas und Steven Spielberg – vor der Implosion der Hollywood-Filmwirtschaft gewarnt hatten, kam es im Sommer zu mehr als einem Dutzend spektakulärer Flops einiger der teuersten Filme dieses Typs – schon seit Langem immer wieder Neuauflagen bewährter Erfolgsmuster, derer das Publikum offenbar überdrüssig ist.
Wenn man die Filmhit des letzten Jahrzehnts beobachtet so lässt sich daraus schließen, dass vor allem Fortsetzungen ihren Weg ins Kino fanden.
In Serien besitzen die Filmschaffenden die Freiheit aufgrund des größeren Raumes um die Geschichte zu erzählen mehr Freiheiten.
Details Charakterzüge und Handlungen können besser ausgebaut werden. Eine Serie eigent sich zudem besser um eine Geschichte erzählen zu können. So kann man innerhalb einer Staffel zwischen 5-20 Folgen zu je 25-55 Minuten mehr Informationen an den Zuseher weitergeben. Anders als im Film kann aufgrund der narrativ komplexen Verflechtung ein facettenreicheres Bild zeichnen. David Simon und Ed Burns die Macher der Serie THE WIRE wählten die Serien Form um die Geschichte rund um Baltimore erzählen zu können. Aufgrund des Kapitelhaften vorgehens der Macher lässt sich eine Assoziation zum Roman herstellen, welcher davor dem Film als Grundlage diente.
„Es steht außer Frage, dass es ein wachsendes Publikum für Serienerzählungen gibt – ein Publikum, das narrative Komplexität, Selbstreflexion, vertrackte Plots und symbolische Mehrfachcodierungen schätzt. Die Literatur hat noch nicht verstanden, welche Herausforderung in dieser Entwicklung liegt. Noch stärker als der Kinofilm wildert die neue Langerzählung auf ihrem angestammten Terrain.
Auch der moderne Roman ist historisch aus einem Unterhaltungsmedium entstanden; als Fortsetzungsroman in Zeitungen hatte auch er eine glanzvolle serielle Phase. Wir sind Zeugen der Geburt einer Gattung: Eine neue epische Großform ist im Begriff, sich von den standardisierten Formaten der Medienindustrie zu emanzipieren, die sie hervorbrachte. Sie ist längst an die Seite des Romans getreten, sie könnte einst an seine Stelle treten.“
5. Conclusio
Aufgrund des Austausch von Hollywood und den Fernsehstudios entwickelt sich eine neue Form der Unterhaltungsindustrie. Das Format der narrativ komplexen Serien erlauben es auch zudem den Studios ein weitreichenderes Merchandising zu betreiben. Der Sender AMC kassiert jeden Monat für einmalige Serien wie Breaking Bad und Mad Men 30 Millionen US- Dollar an Einnahmen. Hinter der künstlerischen Freiheit steckt aber auch Profitmaximierung der Fernseh-Studios. Serien sind günstiger zu drehen und können wie Soap Operas Geschichten ohne große Anstrengungen im Drehbuch weitererzählen. Einzig abhängig von der Quote. Video-on-Demand Unternehmen haben im Geschäftszweig den Profit entdeckt und versuchen sich so mit eigenen Produktionen erstens von anderen abzusetzen und auch zweitens auch ein Publikum und damit auch Fangemeinden an sich zu binden. Ob Serien den Roman im Urlaub oder am Strand ablösen werden muss sich erst zeigen, doch durch die Eigenschaft Serien überall ( mit Internetempfang) und jederzeit empfangen zu können, erleichtert den Studios den Einzug in Zügen, öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Abendprogramm.
Norbert In
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